Was Sie schon immer über die Pubertät ihres Sohnes wissen wollten 9.12.08 Der Opernfreund / Alexander Hauer

Was Sie schon immer über die Pubertät ihres Sohnes wissen wollten 9.12.08 Der Opernfreund / Alexander Hauer

Seltene Pfitzner-Oper

Die Rose vom Liebesgarten

Was Sie schon immer über die Pubertät ihres Sohnes wissen wollten

Wer einen ernst gemeinten Pfitzner erwartete wurde bitter enttäuscht. Jürgen R. Weber erschuf in seinem aufwendigen und farbenfrohen Bühnenbild zusammen mit den geschlechtsbetonten Kostümen von Sven Bindseil eine Fantasywelt wie sie nur einem pubertierenden Hirn entsprungen sein konnte. Klugerweise verzichtete er auf des Meisters eigenen Regieanweisungen und rettete dadurch das Stück vor dem Tod durch Ertrinken im Meer des Romantikkitsches.

Zusammen mit seinem Dramaturgen Andreas Beuermann entwickelt er Kommentare zum Bühnengeschehen, die weniger der Brecht’schen Theaterpraxis entliehen waren, mehr aus einem Schülerheft stammen konnten. Witzig bis flapsig (laber, laber…gähn,…das werden wir noch sehen) zeigten sie Die Sicht auf das Geschehen, kommentiert von einem „Knäblein“ das sich mit dem Bösewicht, teuflisch gut: Kouta Räsänen, dem Nachtwunderer, identifiziert. Die beiden Helden, den Tenorpart gab stimmlich sicher und klar zu verstehen Erin Caven als Siegnot, und die sensationelle (die Chemnitzer sind schon sehr verwöhnt) Astrid Weber die Minneleide. Beide Figuren wurden durch Ramona Capraro und Felipe Rocha in den Tanzpartien von Schättin und Schatten verdoppelt. Lobenswert auch die beiden Hilfselfen oder wie man sie in Chemnitz nennt die Zwölfen, Jana Bücher, Schwarzhilde, Tiina Pentinen als Rotelse, geben den beiden (leider) kleinen Partien emotionale Tiefe.

Der Chor und der Kinderchor sind diszipliniert und bestens von Mary Adelyn Kauffman einstudiert.

Domonos Héja, der innerhalb kürzester Zeit für den erkrankten Frank Beermann die musikalische Leitung übernahm, schaffte den Spagat zwischen expressiver Tiefe und sinfonischen Klängen. Die Robert Schumann Philharmonie konnte sich voll entfalten ohne an den poetischen und dramatischen Klippen zu scheitern.

Aber zurück zur Regie. Weber gelingt es der spätromantischen Oper Pfitzners eine neue Gestalt zu geben, ohne den Sinn der Oper zu zerstören. Das er sie in die Phantasiewelt eines Kindes hinein projiziert, ist dem Stück dabei dienlich. Sicherlich hätten einige Striche in der Partitur gut getan, aber in Hinblick auf eine Cd Einspielung ist diese fast strichlose Fassung doch eine gute Wahl. Weber zitiert alles, was in den letzten Jahren auf die Kinoleinwand oder im Fernsehen gezeigt wurde. Ringjäger, martialische Krieger wie vom anderen Stern bis hin zu der Besetzung beliebter Nachmittagstalkshows, das ganze Programm an Freaks wurde auf die Bühne gebracht. Dabei bleibt er immer „anständig“, niemals driftet seine Inszenierung ins Ordinäre ab. Dazu trägt auch zurückhaltende Erotik Astrid Webers und der Damen Bücher und Pentinen bei.

Fazit, die Neuinterpretation tat dem Werk Pfitzners gut, es besteht berechtigte Hoffnung, dass mit dieser Oper ein jüngeres Publikum angesprochen werden könnte.

Dem alteingesessenen Opernfreund sei diese Oper ans Herz gelegt, denn so häufig wird sie nicht gegeben.                                                    Alexander Hauer