ZEITLEISTE

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ZEITTAFEL

5. Mai 1869
Hans Pfitzner wird in Moskau geboren

9. November 1901
Uraufführung der ROSE VOM LIEBESGARTEN in Elberfeld (Wuppertal)

27. Januar 1937
Erstaufführung der ROSE VOM LIEBESGARTEN in Chemnitz

22. Mai 1949
Hans Pfitzner stirbt in Salzburg

Frühjahr 2008
Kunstprojekt: Karl-Marx-Büste in Chemnitz wird verhüllt

29. November 2008
Neuinszenierung der ROSE VOM LIEBESGARTEN in Chemnitz

12. Februar 3567
Chemnitz versinkt in einer Erdspalte

27. August 4895
Eine Technosekte entdeckt mittels genmanipulierter Erdbeeren  im sogenannten Liebesgarten den Schlüssel zur Unsterblichkeit. Speziell gezüchtete Rosen speisen ihre furchtbaren Waffen mit Energie.

27. Januar 5912
Der finnische Puppenspieler Naatwundaa organisiert unter der Erdoberfläche eine Widerstandsgruppe, (die so genannte „Bruderschaft der Mutanten“), gegen die Technosekte.

29. November 5941
Ein Wächter der Technosekte verliert seine Energierose. Er wagt sich in die tiefsten Höhlen um die frühere Stadt Chemnitz. Dort verliert sich seine Spur. Kurze später wird der „Winterwächter“ oder „Engelmacher“ oder „Exterminator“ der Technosekte Opfer eines Anschlags und stirbt. Das Zeitalter der Rose bricht an.

Der neue Merker // Dirk Altenaer

Der neue Merker // Dirk Altenaer

Meister und Meister-Epigone: „Osterfestspiele“ der Oper Chemnitz: Richard Wagner: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (10.4.2009) & TRISTAN UND ISOLDE (11.4.2009) / Hans Pfitzner: DIE ROSE VOM LIEBESGARTEN (12.4.2009)

Von einem kleinen heimlichen Osterfestival sprach Dramaturg Andreas Beuermann nicht ohne Stolz anläßlich der Einführung zur Aufführung von Pfitzners „Rose vom Liebesgarten“ am Ostersonntag in der Chemnitzer Oper. Man muß ihm Recht geben, angesichts der sonst von der „Krise“ gebeutelten Kultursituation ist es schon erstaunlich,  was dieses doch recht kleine Haus am Tor zum Erzgebirge in den drei Tagen zwischen Karfreitag und Ostersonntag auf die Beine stellte; bei musikalisch und teilweise auch szenisch mehr als achtbarem Niveau.

Fast als Vorbereitung auf die Pfitzner Rarität gab es am Karfreitag eine umjubelte Wiederaufnahme des „Fliegenden Holländer“ in einer Produktion aus dem Jahre 2001 und Karsamstag einen nicht minder festlichen „Tristan“. Interessant war, diese Werke vor Pfitzner zu hören, was die Ohren schärfte auf des Meisters größten Epigonen im positivsten Sinne.

Musikalisch überstrahlte somit auch die selten gespielte „Rose“ fast die beiden Wagner-Aufführungen. Domonkos Heja zauberte denn auch den spätromantischen Impressionismus mit den phantastisch aufspielenden Robert-SchumannPhilharmonikern aus der Partitur, die Gustav Mahler dereinst für das beste nach dem ersten Walküren-Akt hielt. Pfitzners zweite Oper zeigt den glühenden Wagner-Verehrer und Erzromantiker auf der Höhe seiner Instrumentier- und Kompositionskunst, vielleicht nur übertroffen vom „Palestrina“ und der „Eichendorff-Kantate“. Diese erklingt in Ansätzen beim heroischen alles überstrahlenden Chorfinale und die von Mary Adelyn Kauffmann aufs sorgsamte einstudierten Chöre (Chor und Kinderchor) der Oper Chemnitz taten alles dazu, den strahlendsten Eindruck zu hinterlassen.

Bis auf den etwas bläßlichen und an Baßgewalt missen lassenden Kouta Räsänen als Waffenmeister und Nacht-Wunderer hat die Oper Chemnitz ein Ensemble aufgeboten, das sich mit Feuereifer um diese Rarität mühte. Erin Caves ist geradezu eine Idealbestzung des Siegnot, ein schlanker jugendlicher Heldentenor, dem es mühelos gelingt, jede der nicht mindergesäten Klippen seiner Partie zu meistern und dabei in jeder Phrase sein berückend schönes Timbre blühen lässt. Auch die Minneleide könnte heute wohl kaum trefflicher besetzt werden als mit Astrid Weber. Ihr eher schlank geführter dramatischer Sopran kommt ohne jegliche Heroinenattitüde aus, obschon sie genügend Aplomb für den äußerst dramatischen Schlußmonolog bereit hält. Ob im girrenden Lockruf, mit dem sie Siegnot zu betören sucht, oder in den chromatischen Zuspitzungen in den Auseinandersetzungen mit ihrem Entführer, dem Nacht-Wunderer, trifft sie den rechten Ton. Andre Riemer als Mime-Paraphrase gezeichneter Moormann und die homogen besetzten Elfenschwestern Schwarzhilde (Susanne Thielemann) und Rotelse (Tiina Penttinen) runden das hochkarätige Ensemble ab. Opernfreunde dürfen mit Spannung den von der Firma cpo angekündigten Mitschnitt dieser Produktion erwarten.

Wahrscheinlich wäre eine konzertante Aufführung einer Begegnung mit diesem selten gespielten Werk weitaus dienlicher gewesen als die szenische Umsetzung, die man der „Rose“ in Chemnitz angediehen ließ. Zugegeben, James Gruns recht floreales und sehr dem Geschmack seiner Zeit verhaftetes Libretto seines von ihm und Pfitzner entwickelten Kunstmärchens gehört sicherlich nicht zu den literarischen Großtaten dieser Epoche, aber bevor man seinen eigenen Sermon über diese Handlung stülpt, sollte man wenigstens eine genaue Lektüre in Betracht ziehen und vielleicht erwägen, das Werk als solches ernstzunehmen. Jürgen R. Weber mag ein verdienter TV-Regisseur von Soap-Opern à la „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ sein, doch begann er den fatalen Trugschluß: Inszeniere ich „Soap-Opern“, so kann ich mich auch auf die zweite Hälfte dieser verbalen Neuschöpfung berufen und mich bemüßigt fühlen, Oper zu „machen“. In gewollt plakativ provokativer Alt-„68er“-Manier veralberte Weber das Werk mit flapsigem Fäkal- und Sexualhumor zu einem Trash-Comic-Computer-Game. Wie ließ er auf seinen wohl Neuenfels evozieren wollenden Übertitelkommentaren einmal verlauten: „Laber-Laber-Gähn!“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer, dass man das Ganze schleunigst in den von ihm für den ersten Akt gebauten Abort hinunterspült.

Der neue Merker // Renate Wagner // PFITZNER ALS „SOUNDTRACK“ ODER KARL MARX IN DER UNTERWELT

Der neue Merker // Renate Wagner // PFITZNER ALS „SOUNDTRACK“ ODER KARL MARX IN DER UNTERWELT

CHEMNITZ / Theater:
DIE ROSE VOM LIEBESGARTEN von Hans Pfitzner
Premiere: 29. November 2008,
besuchte Vorstellung am Ostersonntag, 12.April 2009
PFITZNER ALS „SOUNDTRACK“ ODER KARL MARX IN DER UNTERWELT
Das Werk ist so extrem selten auf den Spielplänen zu finden, dass Interessenten sogar den Weg bis Chemnitz nicht scheuten, um am dortigen Theater Hans Pfitzners „Die Rose vom Liebesgarten“ zu sehen. (Die Stadt hat zwar glücklicherweise den Namen „Karl-Marx-Stadt“ wieder abgelegt, sein monumentaler Kopf blieb dem Stadtbild jedoch erhalten, was hier nicht ohne Grund erwähnt wird…)
Diese „Rose“, 1901 als Werk des 32jährigen Komponisten uraufgeführt, wieder nach einem Libretto des Jugendfreunds James Grun (wie schon sein Erstlingswerk „Der arme Heinrich“), hatte ihren wahren Erfolg erst 1905 an der Wiener Hofoper unter Gustav Mahler, der sich über die Musik mit einer wohl etwas übertriebenen Überschwänglichkeit äußerte („Seit der Walküre, erster Akt, ist etwas ähnlich Großartiges nicht geschrieben worden!“). Da könnte man mit der Flapsigkeit, die man dem Regieteam der Chemnitzer „Rose“ verdankt, sagen: „Na, bleib einmal auf dem Teppich!“
Doch der Ruhm der Musik hat sich gehalten, und nicht zu Unrecht: Sie ist durchgehend vollsatt, meist prachtvoll, doch die Klangseligkeit geht mit großem Stimmungsreichtum Hand in Hand und erreicht in den Chören und im Einsatz des Blechs außerordentliche Effekte. So blieb die Neugierde auf das Werk bei Opernfreunden virulent, und Teile des Publikums, die wegen dieser Musik ins Opernhaus Chemnitz gekommen waren, äußerten schon zwischen Vorspiel und erstem Akt, die ohne Unterbrechung ineinander übergehen, lautstarke Empörung zwischen „Schade um die schöne Musik!“ und „Armer Pfitzner!“
Die solcherart gescholtene Aufführung muss allerdings mit einer schwierigen Handlung umgehen, die diese „typische Jugendstil-Oper“, wie man sie richtig bezeichnet (die Welt eines Maeterlinck lässt grüßen), Zuschauern und Interpreten zumutet. Die Geschichte ist so seltsam, wie man sie nur wünschen kann, wenn auch klar ist, wer hier als geistiger Vater nicht nur über der Musik, sondern auch über dem Text waltet: Richard Wagner lässt, verfremdet, grüßen. Dass es eine „helle“ Welt gibt und einen dunklen Gegenpol (dem ein wahrer Klingsor vorsteht), ist ebenso bewusst assoziativ (man genierte sich damals nicht, ein Wagnerianer zu sein) wie die gewählten Namen: Der Held heißt – nein, nicht Siegmund, sondern Siegnot, die Heldin ist – nein, nicht Herzeleide, sondern Minneleide, und nicht nur ihre Interpretin wird (wie man im Programmheft nachlesen kann) bei den stimmlichen Anforderungen dieser Figur an Sieglinde erinnert (abgesehen davon, dass sie wie weiland Kundry von der hier Lulu-artigen Verführerin zum Edelmenschen reift). Wenn man meint, die „Rose“ sei ein Wagner-Zitat aus dem Geist der Jahrhundertwende, liegt man wohl nicht so falsch. Als der Vorhang zur Pause nach zwei Stunden fiel (so lange wie der erste Akt „Götterdämmerung“) und man erst nach dreieinhalb Stunden entwanken durfte – alles Wagner, auch die Länge.
Die Liebesgeschichte des so wagnerischen Paares also ist in ein so kompliziertes Handlungsgeflecht eingebettet, dass Regisseur Jürgen R. Weber, dem Fernsehen übrigens sehr verbunden, gar nicht erst versucht hat, aus dieser schimmernd-verqueren Romantik einen szenisch und optisch assoziierbaren, gangbaren Weg zu finden, der eine Auseinandersetzung mit Pfitzner dargestellt hätte. Er entschied sich konsequent für eines: Veräppelung. Im Theater liegen Werbetexte für die einzelnen Produktionen auf. Da kann man zur „Rose“ lesen, dass es sich um ein „hintergründiges Fantasy-Abenteuer“ handle, zu dem Pfitzners Musik den „passenden Soundtrack“ liefere. Damit disqualifiziert sich der Regisseur selbst. Denn dieses billige Ausweichen in den Zeitgeist, wo man dann mit Laserkanonen wie aus den „Star Wars“-Filmen herumfuchtelt, holt sicherlich keine „Jugend“ ins Haus – aber sie bringt vor allem für das Werk nichts (und das wäre doch die vordringlichste Aufgabe einer Interpretation). Den Begriff „Mutant“ beispielsweise, der dem Publikum entgegengeschleudert wird, hat Pfitzner sicher nie gehört – was machen die „X-Men“ im Liebesgarten?
So schmerzen Inszenierung und Ausstattung (Weber selbst schuf das Bühnenbild, Sven Bindseil die Kostüme) durch flapsige Geschmacklosigkeit. Der hier natürlich negativ besetzte „Liebesgarten“ wird zu einem Chaos aus mittelalterlichen und orientalischen Elementen, aus denen Schläuche ragen. Minneleide tritt zuerst – sie ist schließlich die Verführerin – im „Madonna“-Look auf. Besonders originell ist der Regisseur mit dem Eingang zur Unterwelt verfahren, die nämlich im ersten Akt durch eine gewaltige, in der Mitte der Bühne aufgestellte Klomuschel erreicht werden kann. Wem sich da nicht die Idee „Alles Scheiße, deine Ella“ aufdrängt, der hat die Inszenierung wohl nicht richtig verstanden…
Inmitten von Bühnenbildern, die nur im zweiten Akt (in der durchaus nicht Offenbach’schen Unterwelt) eine brauchbar-mögliche Dimension erreichen, setzt der Regisseur als Ausstatter hier eine sozusagen „Chemnitzer“ Pointe: Als sich ein Riesenstein in der Mitte der Bühne plötzlich dreht, erweist er sich als Abbild des Karl-Marx-Kopfes, der die Stadt ziert (verunziert?). Na so was! um im Stil des Regisseurs zu formulieren.
Denn dieser hatte grundsätzlich eine halbwegs vernünftige Idee, die er allerdings doch wieder nur zu parodistischen Zwecken verwendete: Links und rechts der Bühne erscheinen auf Riesentransparenten zwar nicht der Text des Werks (dieser bleibt auch akustisch zutiefst unverständlich), sondern einigermaßen die Beschreibung dessen, was auf der Bühne vorgeht. (Die Inszenierung macht es nämlich nicht klar – falls dies, wie man ehrlicherweise hinzufügen muss, überhaupt möglich wäre…). Aber nicht die Information scheint Weber wichtig, sondern der Kommentar dazu, der auch schon mal „Laber, laber, gähn!“ lauten kann.
Was sollen Sänger inmitten solch einer Inszenierung tun? Sie exekutieren die ihnen auferlegten Albernheiten und singen sich die Seele aus dem Leib, was zumindest bei dem Heldentenor Erin Caves zu einem höchst positiven Ergebnis führt: Siegnot à la Siegmund geschmettert, aber auch in den lyrischen Passagen stark, das hilft dem Publikum, sich mit einer Figur auseinander zu setzen, die hier als putzender „Hausmeister“ beginnt und zum Helden mit der Laserkanone wird (dort steckt die Rose statt im Herzen…). Neben ihm haben noch der „Nachtwunderer“ als Fürst der Unterwelt (der Finne Kouta Räsänen mit eher trockenem Bass), der Moormann (André Riemer) und der Sangesmeister (Andreas Kindschuh) größere Rollen.
Minneleide wird von Astrid Weber, der attraktiven Hochdramatischen des Hauses, gesungen, die allerdings die Anstrengung, die sie die Rolle kostet, mit einem gerüttelten Maß an Schrille und Schärfe kundtut. Die zwei sie begleitenden Elfen, hier „Zwölfer“ genannt – Regieeinfall: Die Damen müssen meist Daumenlutschen! -, liegen in den Kehlen von Susanne Thielemann (hell) und Tiina Penttinen (dünkler).
Gedanklich nicht wirklich auflösbar, aber von einiger poetischer Kraft ist die Figur des „Schattens“, dem – da das Element der Doppelwesen immer wiederkehrt – eine „Schättin“ beigegeben ist. Der hinreißend schöne und elegante Felipe Rocha dominiert die reichlich eingelegten Tanzszenen (Choreografie: Lode Devos).
Am Pult des Abends stand der Ungar Domonkos Héja, der mit sichtlicher Begeisterung den reichen Schattierungen der Partitur nachforschte und solcherart zumindest auf musikalischem Gebiet zu einer Wiederentdeckung der „Rose“ beitrug, die die alberne Szene komplett schuldig blieb. Denn die Aussage, dass es sich hier um ein lächerliches Werk handelt, nur des kabaretthaften Umgangs wert, kann wohl kaum befriedigen…
Da sich bei einer Repertoirevorstellung kein Regisseur zeigt, auf den sich der Unmut des Publikums entladen konnte, gab es höflichen, aber keinesfalls enthusiastischen Applaus für die Interpreten. Nach der Pause war der Zuschauerraum ausgedünnt, und noch am nächsten Morgen wogte im Hotel an der Oper die Empörung der Zuschauer lautstark von Frühstückstisch zu Frühstückstisch…
Renate Wagner
Kritik in der Opera Gazet // Die Rose vom Liebesgarten // von G. M.

Kritik in der Opera Gazet // Die Rose vom Liebesgarten // von G. M.

“DIE ROSE VOM LIEBESGARTEN”

Theater ChemnitzOpera van Hans Pfitzner (muziek) en James Grun (libretto). Gecreëerd te Elberfeld (thans Wuppertal) op 9 november 1901. Bijgewoonde voortstelling in het Theater Chemnitz op 12 april 2009.

Die Rose vom Liebesgarten - Proloog (Foto’s © Dieter Wuschanski )Die Rose vom Liebesgarten” of “de roos van de liefdestuin” groeit op de borst van een held en bezit magische krachten. Siegnot wordt door een zeldzaam toeval tot “lentewachter” uitverkoren en wordt verliefd op de wondermooie elf Minneleide. Deze wordt na een bloedige strijd door duistere “mutanten” naar de onderwereld ontvoerd. Ondanks zijn zware verwondingen sleept Siegnot zich naar het onderaardse rijk van de “Nachtwunderers” om haar te bevrijden. Het komt tot een finale slachtpartij en een persoonlijk treffen met de “dood”.
Is de korte samenvatting van dit sprookje duidelijk? Waarschijnlijk niet, maar een uitvoerige uitleg maakt het verhaal zeker niet meer doorzichtig. De producenten moeten er zich degelijk van bewust geweest zijn, want gedurende het verloop van de voorstelling werden de verschillende punten van de actie op spandoeken geprojecteerd. Tevergeefs trouwens, want wij kregen er kop noch staart aan.
Ingewikkelde sprookjes waren in het begin van de twintigste eeuw zeer populair. Denken wij maar aan de opera’s van Siegfried Wagner, zoals “Banadietrich”, “Schwarzschwanenreich” e.a. waar je na een volledige lezing van de libretto’s nog niets begrijpt van de inhoud. ”Die Frau ohne Schatten” van Richard Strauss is ook zo’n ding dat overloopt van de symboliek en waar je tevergeefs naar de juiste bedoelingen blijft gissen…
Die Rose vom Liebesgarten - tweede akte (Foto’s © Dieter Wuschanski )De boodschap is nochtans eenvoudig: naar de muziek luisteren en het gegeven negeren! Maar dat lukt niet altijd, zeker niet als een moderne enscenering het geheel nog wat aandikt, zoals bij de voorstelling die wij hier te Chemnitz te zien kregen.
Regisseur Jürgen R. Weber maakte er een bont boeltje van, zoals de foto’s mooi illustreren. De ingang van de onderwereld is bijvoorbeeld een grote Wc-pot waar de personages één voor één in verdwijnen. De kledij is afwisselend hedendaags en historisch, zonder logisch verband. Ook de vele balletinterventies werkten storend en na een dik half uur hebben wij dan maar besloten de rest van de voorstelling met gesloten ogen te ondergaan.
Zuiver muzikaal viel er gelukkig meer te genieten. Zo hoorden wij een bijzonder mooie tenor in de rol van Siegnot: de Amerikaan Erin Caves, die ons ook vorig jaar in “Der Ring des Nibelungen” te Weimar als Loge en Siegmund wist te bekoren.
Die Rose vom Liebesgarten - Astrid Weber als Minneleide met Susanne Thielemann als Schwarzhilde en Tiina Penttinen als Rotelse (Foto’s © Dieter Wuschanski )Zijn geliefde Minneleide was Astrid Weber, een sopraan met goede dramatische kwaliteiten, maar iets te schril in de hoge stemregionen. Kouta Räsänen was een wat stroeve basbariton, geschikt voor de rol van de wapenmeester en die een goed contrast vormde met de lichtere baritonstem van Andreas Kindschuh als de zangmeester.
Goede prestaties kregen wij ook te horen van de tenor André Riemer als de moorman, van de sopraan Susanne Thielemann als Schwarzhilde en van Tiina Penttinen als Rotelse.
Wij waren weinig enthousiast over het koor en het kinderkoor van de Opera van Chemnitz. Vooral in de proloog, waar hun bijdrage niet miniem is, bereikten zij moeilijk een keurige samenzang.
De opera zit boordevol mooie melodieën, maar er is toch een tekort aan dramatiek en dirigent Domonkos Héja, aan het hoofd van de Robert-Schumann-Philharmonie, slaagde er niet in om de partituur boeiend te laten klinken.
Natuurlijk zijn wij het operagezelschap van Chemnitz dankbaar dat zij deze rariteit opvoerde, maar of de opera hierdoor levensvatbaar geworden is, betwijfelen wij zeer sterk.

G.M. (Gepubliceerd op 15/4/2009)

Foto’s © Dieter Wuschanski.

Out of Liebesgarten // MOM // Joachim Lange

Out of Liebesgarten // MOM // Joachim Lange

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Die Rose vom Liebesgarten
Romantische Oper in 2 Akten, Vor- und Nachspiel
Dichtung von James Grun
Musik von Hans Pfitzner

in deutscher Sprache
Aufführungsdauer: ca. 2h 30′ (eine Pause)

Premiere im Theater Chemnitz am 29. November 2008
(rezensierte Aufführung: 13. Dezember 2008)


Homepage

Theater Chemnitz
(Homepage)

Out of Liebesgarten Von Joachim Lange / Fotos von Dieter Wuschanski

Hans Pitzners Die Rose vom Liebesgarten ist nach den Maßstäben des gängigen Repertoires eigentlich ein unmögliches Stück. Und dass weniger, weil das Hauptpersonal auf die Namen Siegnot und Minneleide hört, ein Typ mit Namen Winterwächter das Paradies bewacht, der sadistische Finsterling Nacht-Wunderer über Mutanten gebietet, und auch sonst ziemlich seltsame Gottheiten, Wesen und Rituale aufgeboten werden.

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Eher schon deshalb, weil sich Pfitzners Musik nicht unbedingt mit einem in die Zukunft gerichteten, innovativen Erneuerungswillen profiliert, sondern sich mit einer verblüffenden Offenheit zu ihrem dezidiert spätromantischen Schwelgen und Fabulieren bekennt. Vom Klingsorzauber beflügelt über Nibelheim geradewegs in den Liebesarten sozusagen. Doch wer sich im Schatten sonnt, gilt halt nicht als große Leuchte. Obwohl noch fast jede Wiederbelegung seiner Bühnenwerke (auch jenseits des immer wieder in Erinnerung gerufenen Künstlerdramas „Palestrina“) mit einem anerkennenden Aha-Effekt der Nachgeborenen verbunden ist. Noch dazu, wenn seine zweite Oper aus dem Jahre 1901 so sorgfältig in ihrer ganzen orchestralen Opulenz und Raffinesse ausgeleuchtet wird, wie jetzt an der Chemnitzer Oper unter der Leitung von Domonkos Héja (der für den erkrankten GMD Frank Beermann übernahm) und der Robert-Schuhmann-Philharmonie. Hans Pfitzner bleibt zudem biographisch problematisch, weil sich seine politische Nähe zum Naziregime, vor allem aber ein notorischer Antisemitismus, kaum relativieren lassen. Was für David Pountney vor neun Jahren in Zürich der Anlass war, diese Komponente in seine Inszenierung der „Rose vom Liebesgarten“ einzubeziehen.

Dieser Art von Stückbefragung enthält sich Regisseur und Ausstatter Jürgen R. Weber. Dass sich im finsteren Reich des Nacht-Wunderers, in das dieser Bösewicht die Elfenkönigin Minneleide entführt, damit dort der wackere Siegnot beim Befreiungsversuch auf der Strecke bleibt, ein riesiges Gestein mit einem Mal als eine Nachbildung jenes Marx-Denkmals erweist, das unweit der Oper trotzig an das DDR-Zwischenspiel der Stadt Chemnitz als Karl-Marx-Stadt erinnert, hat keine wirklich doppelte, gar politische Bedeutung.

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Minneleide mit der Rose gefangen

Es ist ein amüsanter Gag mit Regionalbezug, der zu dieser Inszenierung passt. Und die lässt zunächst einmal die Musik in all ihrer Wunderlichkeit, die mit originellen Einwürfen durchsetzt ist, für sich wirken. Sie nimmt diese Oper dann aber auch als ein Fest der Fantasie. Der Show- und Fernseherfahrene Opernneuling Jürgen Weber setzt dabei nicht nur auf einen begünstigenden Nebeneffekt, den entsprechende Erfolgsfilme auch für eine Fantasy-Oper haben müssten. Für ihn stammt auch ein Gutteil seines Bildervorrates aus der Nachbarbranche.

Vergrößerung in neuem Fenster Der Nachtwunderer und der Held

Damit balanciert er souverän zwischen Nacherzählung, opulenter Bebilderung und dezenter Ironie. Zum Verständnis tragen dabei jene witzigen Texteinblendungen bei, die die jeweiligen Szenen nicht nur knapp zusammenfassen, sondern zugleich auch mit einer ironischen Distanz kommentieren. Das erinnert an die Texteinschübe, die Hans Neuenfels gelegentlich in seine Inszenierungen einbezieht. Sie erlauben auch ohne wortgenaue Übertitel das Verfolgen der zum Teil abstrusen Handlung. Außerdem singen vor allem die höhensicher aufblühende Astrid Weber als attraktive Minneleide und der souverän sein heldentenorales Timbre ausspielende Erin Caves als Siegnot ausgesprochen wortverständlich.

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Minneleide und Siegnot – ein kurzes Glück

Wobei die volle Textverständlichkeit von James Gruns „Dichtung“ durchaus mit der „Gefahr“ von unfreiwilliger Komik verbunden wäre. Selbst Wagner schützt meist ja nur die Gewöhnung vor diesem Effekt. Die titelgebende Rose erwächst hier aus des Helden Brust, irgendwann in einem Cyber-Paradies, das von lauter Freaks aus fremden Galaxien bevölkert scheint. Vor der (Frühlings-)Pforte zu diesem paradiesischen Liebesgartens findet sich ein Riesen -WC als etwas beengter Eingang in eine Unterwelt, die dann jedes Nibelheim aussticht. Im Wechsel zwischen diesen Sphären durchlebt die Liebe von Siegnot und Minneleide alle Höhen und vor allem Tiefen. Samt der Entführung durch den Herrn der Finsternis und dem Tod des Helden.

Vergrößerung in neuem Fenster Siegnots Tod

Die beiden sind erst am Ende als von Ferne klingende Seelen vereint. Das Ensemble ist auch jenseits des Heldenpaares exzellent. Die Ergänzung durch ein tanzendes Schattenpaar ebenso einleuchtend, wie die entfesselte überbordende Phantasie der Masken und Kostüme.


FAZIT

Das Chemnitzer Opernhaus hat sich nach Mascagnis Iris und Nicolais Il Templario auch im Falle von Pfitzners Rose vom Liebesgarten mit einer Wiederentdeckung verdient gemacht. Und das mit der für dieses Opernhaus typischen Sorgfalt und musikalischen Niveau. Der MDR hat live übertragen, eine CD wird folgen und die derzeitige Lücke auf dem Markt füllen.


Produktionsteam

Musikalische Leitung
Domonkos Héja
Inszenierung und Bühne
Jürgen R. Weber

Technische Umsetzung
Norbert Richter

Kostüme
Sven Bindseil

Choreographie
Lode Devos

Choreinstudierung
Mary Adelyn Kauffman


Chor und Kinderchor
der Oper Chemnitz

Robert-Schumann-
Philharmonie Chemnitz


Solisten

Siegnot
Erin Caves
Der Waffenmeister
Kouta Räsänen

Der Sangesmeister
Andreas Kindschuh

Minneleide
Astrid Weber

Schwarzhilde
Susanne Thielemann (Gesang)
Leslie Humbert (szenische
Darstellung, wegen Indisposition)

Rotelse
Tiina Pentiinen

Der Moormann
André Riemer

Der Nacht-Wunderer
Kouta Räsänen

Der Schatten
Jonathan Aurélien Bruno Cadic

Die Schättin
Marija Buschujewa

Zwittergöttin
Anisha Coon
Bert Uyttenhove



Weitere Informationen
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Theater Chemnitz
(Homepage)

Da capo al Fine

„Die Rose vom Liebesgarten“ am Theater Chemnitz // Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.12.2008 von Gerhard Rohde

„Die Rose vom Liebesgarten“ am Theater Chemnitz // Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.12.2008 von Gerhard Rohde

Eine Oper wehrt sich gegen den Kulturabbau
Proteste gegen die städtische Politik und Hans Pfitzners „Die Rose vom Liebesgarten“ am Theater Chemnitz
(von Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine Zeitung  17.12.2008)

Ein Wort zuvor: In einer großen Kritikerumfrage vor drei Jahren wurde das „Deutsche Stadttheater“ in seiner Gesamtheit zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Es war eine gute und richtige Entscheidung. An den Stadttheatern trifft man mehr als an den großen „Operntankern“ auf Neugier, Risikobereitschaft, den Mut zum Experiment sowie zum Ausgraben und Überprüfen erfolgreicher Operntitel von einst.
Dass das musikalische und sängerische Niveau an den Stadttheatern dabei in der Regel bemerkenswert hoch ist, bedarf keiner ausführlichen Erwähnung mehr. Ein solches Stadttheater findet sich auch in Chemnitz. Immer wenn eine Kommune in finanzielle Schwierigkeiten gerät, werfen die Stadtpolitiker den ersten Blick bevorzugt auf die sogenannte „Kultur“, und da ein personalintensives Theater samt Orchester, Chor und Ballett meist den größten Posten im Etat ausmacht, soll dort am heftigsten gespart werden. Dass ein Theater aber eben wegen der vielen Arbeitsplätze nur bedingt billiger zu haben ist, bringen Etatkürzungen das ganze „System Theater“ zum Einsturz.
In Chemnitz wehrt sich das Theater gegen eine solche Politik mit Aufrufen vor den Vorstellungen, mit Demonstrationen auf dem Opernplatz und der Bitte an das Publikum, sich direkt an verantwortliche Stadtpolitiker zu wenden. Zu diesem Zweck werden die amtlichen Adressen der Rathausfraktionen und ihrer Mitglieder auf einem Prospekt verteilt. Ob es was nützt, bleibt abzuwarten. Jetzt zur Kunst: Die Aufführungsgeschichte des Chemnitzer Theaters enthält auch eine Inszenierung von Hans Pfitzners romantischer Oper „Die Rose vom Liebesgarten“ im Jahr 1937. Wenn das Werk jetzt wieder auf dem Spielplan der Chemnitzer Oper erscheint, pflegt man sozusagen die eigene Tradition, die allerdings mehr als sieben Jahrzehnte zurückliegt, zu einer Zeit, deren politische und menschliche Verwerfungen auch den Komponisten Pfitzner in eine mehr als fragwürdige geistige Nähe gerückt haben.
Die Pfitzner-Diskussionen leben bei jeder neuen Aufführung seiner Werke, vor allem der Opern, unverändert auf. So hat auch die Wiederaufführung der „Rose vom Liebesgarten“ vor zehn Jahren in Zürich für entsprechende Kritiken gesorgt, obwohl doch das Werk schon 1901 uraufgeführt und anschließend viel nachgespielt wurde. Die Handlung auf ein Libretto des Engländers und Jugendfreundes James Grun verleitet natürlich zu retrospektiven Kommentaren: ein helles Licht-Reich wird von dunklen Mächten der Unterwelt bedroht, ein hehrer Ritter, zum Wächter des strahlenden Liebesgartens bestellt, verfällt einer Elfenkönigin. Er will sie befreien, gerät in Todesgefahren, reißt wie Samson den unterirdischen Tempel ein und wird dabei ebenso wie die Bösewichter unter den Trümmern begraben. Am Ende aber erfahren die Liebenden vom Sternenthron höchste Gnade: Sie werden aus Tod und Verdammnis zum Licht erweckt. Und bei allem hilft die Rote Rose vom Liebesgarten, eine Art Tamino-Zauberflöte, ein magischer Blumen-Lichtstab, der Ritter und Elfenkönigin auf ihren verschlungenen Wegen begleitet.
James Grun und Pfitzner wurden für ihre Oper von Bildfolgen des Malers Hans Thoma inspiriert, und diese Anregung gab dem Werk auch die dramaturgische Struktur: Die Handlung verläuft weniger lineardramatisch, sondern in bildhaften Tableaus, eingeteilt in zwei Akte sowie mit Vor- und Nachspiel. Diese Freizügigkeit der szenischen Anordnung gibt zugleich der Musik die entsprechenden Freiräume. Natürlich assoziiert sie, oberflächlich gehört, vieles von Wagner, Liedhaftes führt zu quasi leitmotivischen Techniken. Dann aber dringen dissonante Reibungen in die Musik ein, Klangfarben-Register lassen an Mahler denken, man findet Spaltklänge und akzentuierte Kontrapunktik, und immer wieder leuchtende Orchesterfarben, die Gustav Mahlers Ausruf verständlich werden lassen: „Seit der Walküre, erster Akt, ist etwas ähnlich Großartiges nicht geschrieben worden!“
Die Chemnitzer Neuinszenierung von Jürgen R. Weber (Regie und Bühne) begegnet dem Werk mit dem spürbaren Ernst zur intelligenten Persiflage. Ein Hauch von Fantasy-Spaß liegt über allem. Der Karl-Marx-Kopf, der in Chemnitz unverändert martialisch auf einem Platz thront, findet sich auf der Bühne inmitten einer wüsten Wolfsschlucht-Szenerie wieder. Das mittelalterliche Märchen im romantischen Märchengewand wird dabei durchaus anschaulich erzählt, was theatralische Pointierungen nicht ausschließt. Einiges wirkt ein wenig billig, wie der Eingang zur Unterwelt in Form eines riesigen Klo-Beckens. Manche Szenen erinnern auch an komische Ritterspiele im Freilichttheater, anderes, wie die Begleitung der zentralen Figuren durch zwei Schatten-Tänzer verleiht der Geschichte romantische Poesie. Könnte man die ziemlich verwickelte, auch verquaste Geschichte anders inszenieren? Vielleicht indem man eine stringente ästhetische Linie verfolgte, die sich aus den Hell-Dunkel-Kontrastierungen in der Malerei ableiten ließen – analog zu den Bildvorlagen des Librettos.
Ohne Einschränkungen gelang die musikalische Seite der Aufführung. Domonkos Héja entfaltete mit der Robert-Schumann-Philharmonie sensibel den Perspektivreichtum der Partitur. Chor und Kinderchor waren von Mary Adelyn Kauffman sorgfältig einstudiert, Lode Devos entwickelte eine ansprechende, auf Dauer leicht monochrom wirkende Choreographie. In den Hauptpartien überzeugten Erin Caves als Ritter, Astrid Weber als Elfenkönigin sowie als Nachtgestalten Kouta Räsänen und André Riemer. Insgesamt eine geschlossene Ensembleleistung, die der Chemnitzer Oper ein hervorragendes Zeugnis ausstellt. In der gegenwärtigen Situation des Hauses ein gutes Argument wider die Kulturpolitik der Stadt Chemnitz.